Team Nord-Süd-Fahrt

Allgäu-Orient-Rallye 2016

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Wir rollen!

Mercedes-Niederlassung Würzburg-Oberstaufen-Leoben-490 km

Nach einem Stück Kuchen haben sich unsere Wege geteilt.
Daniel und Felix T. sind mit dem lädierten Wagen 02 bei der Werkstatt geblieben und der Rest der Truppe hat sich auf den Weg nach Oberstaufen gemacht. Die geschätzte Ankunftszeit lag da schon bei 20:00 Uhr. Auf unserem Weg nach Oberstaufen gab es noch einige kleinere Staus und stockenden Verkehr, sodass wir dann um 21:00 Uhr ankamen. An dieser Stelle muss man wissen, dass das Zeitfenster um sich anzumelden um 19:00 Uhr endete.
Glücklicher Weise waren doch einige Teams verspätet, was dazu führte, dass wir uns, nachdem wir endlich die richtige Stelle gefunden hatten, noch an dem Anmeldecontainer melden konnten. Wir bekam neben unseren Rallye-Pässen und sechs Essensmarken für das angekündigte türkische Abendessen, unsere Startnummern. Nachdem die Anmeldungsformalien geklärt waren kam auch Wagen 02 an. Uns wurde eine Straße zum Parken zugewiesen und wir machten uns ins Festzelt. Dort gab es dann einen Dönerteller. Für Livemusik und Stimmunng war auch gesorgt und nach einer kulturellen Umgewöhnungsphase und ein paar Bier lies es sich dort auch gut aushalten.
Wir gingen aber früh schlafen, denn wir mussten ja früh raus (um 7:30 war eine Rallye-Segnung angesetzt).
Am nächsten Morgen schälten wir uns gegen 7 Uhr aus unseren Zelten und einige von uns das erste Mal aus den Autos, was Bewegungen erfordert die eher an einen Astronauten erinnern als an einen
Rallyefahrer. Mal wieder kam von der zeitlichen Organisation alles anders als zuvor angekündigt, was niemanden von uns wirklich überraschte. Somit hatten wir aber genug Zeit um uns andere Rallye Wagen anzuschauen (und festzustellen dass viele zwar viel aufwändiger gestaltet waren, unser Logo jedoch nicht zu toppen ist), die Wasserkanister zu füllen und uns psychisch auf den Start vorzubereiten. Dazu gehörte auch die Segnung der Rallyefahrer durch Vertreter aller Religionen. Gegen elf Uhr, drei Stunden später als erwartet, war es endlich so weit. Unsere drei Kamele rollten eins nach dem anderen über die Startrampe. Auf die Frage hin warum wir denn „Nord-Süd-Fahrt“ hießen, antwortete unser Paul ganz souverän: „Weil wir von Nord nach Süd fahren“. Da fiel selbst den Organisatoren nichts mehr ein. Dass es sich bei dem kleinen Ort Oberstaufen um eine alteingesessene Rallye-Location handelt wurde spätestens zu diesem Zeitpunkt deutlich, als wir an winkenden und strahlenden Menschen am Straßenrand vorbei fuhren.
Mit einem gönnerhaften Klopfen des Organisationsteams auf das Autodach begann für uns offiziell die Allgäu-Orient-Rallye 2016. Nur ein paar Minuten später erreichten wir den Ort der ersten Tagesaufgabe. Und schon saßen wir nicht mehr im Auto, sondern in einer Seilbahngondel. Die führte uns hoch auf einen Berg. Und was tut man da oben, „über den Wolken“?. Genau das singen! Als Belohnung für unsere grandiose Gesangseinlage bekamen wir ein nicht zusammen gehörendes Paar Schuhe, die uns dazu animieren sollen in Kontakt mit anderen Teams zu treten, so dass am Ende alle ein passendes Paar erhalten. Auch den ersten Rosenstock hinterließen wir in einem Beet unten am Berg. Einer von dreien ist gepflanzt! Danach ging es ein paar Meter weiter zum nächsten Platz an dem sich die Rallyewagen tummelten. Nachdem Paul auf grandiose Weise eine Schubkarre durch einen Parcours gelotst hatte, bekamen wir Käse, Bier und Wurst und schließlich begann endlich das womit wir eigentlich auf einer Rallye gerechnet hatten: Das Fahren! Wir fuhren vorbei an vielen Wiesen die Heidis zu Hause hätten sein können, bis wir irgendwann die Grenze nach Österreich passierten. Dort trafen wir ein anderes Team, die wie wir der Aufgabe gerecht werden wollten sich
sich neben dem Grenzschild zu fotografieren. Ein Grenzübergang bedeutet auf einer Rallye jedoch kein Fahrtende, wir fuhren weiter und weiter. Das letzte Stück legten wir im Dunkeln zurück bis wir gegen 21:30 Uhr endlich den angesteuerten Camping-Platz erreichten. Dieser überraschte uns mit Lichterketten über den Kochecken und – so gut – Duschen! Unser Profikoch Paul (der innerhalb dieses Eintrags wirklich gut weg kommt) bereitete uns Reis mit einer Gemüsepfanne und so endete, für die meisten mit einem Bier in der Hand, der erste erfolgreiche Rallyetag mit der stolzen Kilometerzahl von 490.

Erdnussbutter ohne Marmelade?!

Leoben (Österreich) – Ungarn – Timişoara (Rumänien) – 700 km

Aus den Autos und Zelt geklettert, auf dem Campingplatz geduscht, Zelt abgebaut, Kaffee vom Campingkocher. Der zweite Rallyetag kann starten. Halb sieben. Nach der Ankunft im Dunkeln am Vortag war der Plan, heute im Hellen anzukommen. Utopisch. Also Autos gepackt, rauf auf den Bock und ab durchs Burgenland, natürlich erst nach dem Frühstück. Durch Serpentinen, schmale Schluchten und die ersten stärkeren Regengüsse. Wenigstens war das Zelt am Morgen noch trocken geblieben. Die Autos haben die erste Bergprüfung gut überstanden. Mit der flacher werdenden Topographie rückte auch der Grenzübergang nach Ungarn immer näher. Obligatorisches Grenzschildfoto inklusive.

Selfie als Rallyeaufgabe am österreichisch-ungarischen Grenzübergang

Selfie als Rallyeaufgabe am österreichisch-ungarischen Grenzübergang

Und Ungarn selbst? Viel geradeaus, wenig Kurven, immerhin die Pfützen biblischen Ausmaßes brachten eine ganze Menge Fahrspaß. Die Diskussionen über Gott, die Welt und die merkwürdige quadratische Anordnung von Bäumen am Straßenrand im mittlerweile äußerst vertrauten Sound des CB-Gerätes taten ihr Übriges zur Unterhaltung aller Beteiligten. Am Balaton kamen wir dann komischerweise aber wieder im Trockenen an. Umso besser, denn die Pizza von der Kneipe am Straßenrand schmeckt frisch von der Motorhaube mit Blick auf den See doch am geilsten. Kaffeepause inklusive.

Mittagspause am Plattensee

Mittagspause am Plattensee

Um vier Uhr gings weiter gen Rumänien, wo wir – oh Wunder – dann doch wieder erst lange nach Sonnenuntergang am Grenzübergang ankamen. Wieder Grenzfoto. Ein fancy Gefühl, ein Land einfach mal so an einem halben Tag zu durchqueren. Der Grenzübertritt selbst hätte durch ein bisschen mehr Motivation der dort eingesetzten Beamten ein bisschen einfacher gestaltet werden können. Schengen adé. Julians erheiternde Ausführungen über die Notwendigkeit von Butter, Erdnussbutter und Marmelade (die Gott sei Dank noch eingepackt wurde, weil Erdnussbutter ohne Marmelade gehe halt eigentlich garnicht) erleichterten die Fahrt in immer dunklere Gefilde enorm. Unseren Rallyeaufgaben sind wir heute noch kaum nachgekommen, da sich die Gelegenheiten einfach nicht boten. Das Foto mit Rallyesponsor baumit haben wir aber im Kasten.

Foto mit Rallyesponsor baumit

Foto mit Rallyesponsor baumit

Dafür sind wir dann aber doch irgendwann nach fast 700 km in Timişoara angekommen. Schade nur, dass der örtliche Campingplatz so garnicht zu finden war. Drei Tankstellen mit desolater Ortskenntnis später erbarmte sich dann ein freundlicher rumänischer Zeitgenosse und lotste uns zum Ziel. Oh Wunder, der Campingplatz war gefüllt mit anderen Rallyeteams. Eigentlich wollte man ja schnell schlafen, weil wir mussten ja morgen früher los so von wegen mal im Hellen ankommen und so. Die Zeitverschiebung kam noch hinzu. Nur ist der Austausch mit den anderen Teams sehr spannend und wenn Paul dann plötzlich um halb eins zur Suppe ruft ist auch schnell vergessen, dass man ja eigentlich nichts mehr essen wollte.

Paul bei der Zubereitung des Abendessens

Paul bei der Zubereitung des Abendessens

Wenn der Tag dann im Charme der Sanitärräume eines ehemals postsozialistischen Campingplatzes endet und Ruhe ins Lager einkehrt weiß man dann aber, was man schon geschafft hat.

Julian und Robertah beim Gute-Nacht-Lied

Julian und Robertah beim Gute-Nacht-Lied

Kamelle im Waisenhaus

Timişoara (Rumänien) nach Ruse (Bulgarien) – 610 km

Der Wecker klingelt um 6.00 Uhr – heute besonders hart, weil wir mittlerweile eine Zeitzone weiter in Richtung Sonnenaufgang gefahren sind. Zum Frühstück gibt’s Müsli, Käse aus dem Allgäu und Pauls hervorragenden Espresso.

Auf dem Tagesprogramm steht die Strecke bis an die bulgarische Grenze in Ruse, wo es eine besonders schöne Überquerungsmöglichkeit über die Donau und einen Campingplatz für die kommende Nacht geben soll. Doch zuvor besuchen wir ein Kinderheim für behinderte Kinder in Lugoj (ca. 30 km von Timişoara entfernt). Hintergrund des Besuchs ist eine vom Team 111 (www.normal-ja.de) organisierte Spendenaktion zu der auch unsere Autos (wie die fünf weiterer Teams) im Vorfeld der Rallye beladen wurden.

Abfahrt zusammen mit Team 9 (aus Karlsruhe) um kurz nach 8 Uhr. Im Kinderheim angekommen werden wir von der Leitung mit Kaffee und Gebäck empfangen und über das Leben vor Ort informiert, bevor wir zusammen mit den anderen Teams unsere Packsesel entladen.

De Zoch kütt!

De Zoch kütt!

IMG_5585Anschließend geht es dann darum Strecke gen Bulgarien zu machen. Das machen wir im Konvoi mit den Karlsruher Kollegen zunächst auf frisch gebauter Landstraße entlang der westlichen Ausläufer der Karpaten, später auf kurvigen Straßen bis an ein sehr großes Gewässer mit sehr großen Schiffen. Beim nun folgenden Tankstopp wird dann auch den nicht-kartenlesenden Mitfahrern kundgetan: „Das ist die Donau.“ Jetzt ist es an der Zeit – und der Ort ist gut gewählt – die Tagesaufgabe zu lösen: einen Apfelbaum zu finden und diesen mit dem Team zusammen zu fotografieren sowie den Ort und Besitzer des Baumes zu nennen. Leider finden wir an dieser Stelle nur einen Bananenbaum – aber seht selbst:K800_IMG_5592

Im Laufe der Weiterfahrt fällt eines der Karlsruher Fahrzeuge durch lautes Klappern aus dem Motorraum unangenehm auf. Kurzerhand wird das Auto von der Hauptstraße geschleppt und nach der Diagnose durch den Teammechaniker stellt sich heraus, dass eine Weiterfahrt nicht mehr möglich ist, da ein Pleuellager aus dem Motorblock hervorlugt. Die im Dorf wohnende Bevölkerung fragt uns im schönsten Kölsch Platt, wat ess dann los… Heimatgefühle mitten in Rumänien! Der so Fragende wohnt in Bergheim. „Do fählt nur vum Balkon, die Aussicht op dä Dom!“ Für Rheinländer spaßig, unsere Freunde haben allerdings andere Sorgen, zumal die Werkstätten wegen der orthodoxen Osterfeierlichkeiten geschlossen sind.

Da wir in der Situation nicht weiterhelfen können (bis auf eine kleine Kaffee-Notversorgung durch Paul) fahren wir nun weiter in Richtung Donau, um noch vor der Nacht die Grenze nach Bulgarien zu passieren. In Ruse selber bzw. drum herum gibt es nach unserer Karte leider keinen Campingplatz und ein Hotel für ein paar verbliebene Nachtstunden wollen wir uns auch nicht mehr suchen. Also fahren wir kurz entschlossen weiter und suchen uns ein Nachtlager abseits der Landstraße: Über kleine Straßen geht es dorthin steil bergab, bis ein passendes Plätzchen mit Nachtigallen-Beschallung und fast ohne Hundegebell gefunden ist.IMG_5616

Stadtrandlichter

Ruse (Bulgarien) – Griechenland – Istanbul (Türkei) – 687 km

Es geht gegen vier Uhr Mittags los und unser Konvoi brettert über eine verlassene Landstraße in Bulgarien, auf dem Weg zur griechischen Grenze. Die Strecke ist gut zu fahren und landschaftlich sehr schön anzugucken. Das Tippen ist hingegen keine große Freude, denn es geht in viele Kurven. Bergab wird immer wieder Schlaglöchern ausgewichen und der Straßenbelag gibt den Rest dazu. Aber der Reihe nach: Nachdem wir gestern sehr spät über die Landesgrenze gerollt sind und der angekündigte Campingplatz nicht zu finden war, stellten wir unsere Camping Kombis (Das T im Modellnamen steht ja bekanntlich für Touristik) abseits der Landstraße ins Grüne. Heute Morgen weckten uns der Wecker und der Regen der aufs Schiebedach prasselte um sechs. Als Belohnung für das tapfere Durchhalten unserer Autos gab es für die W124 einen Schluck frisches Öl. Wir starteten nach einem fixen Mokka direkt durch.K1024_IMG_5625 Etwas später gab es dann ein kleines, schorig schäbiges Frühstück an ner Tanke und randvoll Diesel für die Benzer. An dieser Stelle vielen Dank an den Tagespaten Horst Pfundstein. Unsere Route führte uns durch weniger schöne Städte mit viel quadratischem Sowjetbeton. Aber auch durch einen Bergnebelwald und viel grüne Strecke. Der Vollständigkeit halber: Das Wetter war sonnig, bewölkt und leichter Regen wurde von einem Südwind herangetragen. All arround 18C°. Ein zweites kleines Frühstück und den ersten Fahrerwechsel gab es an einer kleinen Fischzucht, welche die Viecher auch direkt frittiert und verkauft. Gegen Mittag suchten wir uns einen ruhigen Platz abseits der sowieso leeren Straße im Grünen. Der kurze Weg dorthin führte über einen schlammigen Feldweg mit tiefen Spurrillen, was für spontane gute Laune sorgte. Die entlud sich sogleich darin unsere Biergarnitur zum ersten Mal aufzubauen. Wir kochten Nudeln, bastelten mit Tüddeldraht oder genossen die Sonne.K1024_IMG_5668 Nach dem Futter ging es weiter. Schon nach wenigen hundert Metern kletterten wir einen Hügel rauf und trafen auf eine sehr breite, lange Straße. Da quasi kein Verkehr fuhr, nutzten wir die Gelegenheit für sonnige Foto- und Videoaufnahmen wie wir mit unseren coolen Karren durch die Landschaft düsten. Natürlich inklusive Sonnenbrillen und Essensübergabe von Auto zu Auto.K1024_IMG_5681

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Drive by

Der nächste Stopp war vor der Griechischen Grenze. Dort fanden wir unsere Chance ein Foto von einem uniformierten Menschen, mit Hund und Allgäu-Orient-Plakat zu schießen. Somit erfüllten wir wieder eine der Rallye Aufgaben. Wir verstehen es als Auslegungssache, dass der Soldat mit seinem Hund ein Kriegerdenkmal der Sowjets darstellte und keine lebende Person war. Vor dem Grenzübertritt bunkerten wir noch günstigen Sprit bei einer versteckten Tanke. Nach dem obligatorischen Foto mit dem Griechischen Länderschild ging es nach kurzer Zeit direkt zur Türkischen Grenze weiter.

Bulgarisch-griechische Grenze

Bulgarisch-griechische Grenze

Nachdem wir die akkurate aber freundliche Grenzprozedur (ink. miauender Pfauen) überstanden hatten, richteten wir unsere Sterne Richtung Istanbul und ballerten mit dem Sonnenuntergang im Rückspiegel los. Bis hier hin war der Tag sehr schön und die Stimmung gut. Von den folgenden Stunden kann man das leider nicht mehr sagen. Ich fasse mich hier kurz: Es wurde dunkel, die Straßen schlechter, die Lichter weniger, der Verkehr anstrengender, die Fahrer müder, die Karten ungenau und Wagen 01 bekam zunehmend Probleme mit der Kupplung. In Istanbul angekommen wurde der Verkehr so richtig spaßig. Und das um ein Uhr morgens an einem Dienstag! Zu unserem Glück verfuhren wir uns nur sehr marginal und legten Kilometer um Kilometer in diesem Moloch von Stadt zurück. Als wir dann im richtigen Stadtteil ankamen ging es auf die zwei Uhr zu. Unser finales Ziel konnten wir nur finden, weil wir zwei Späher per Pedes aussandten. Der Platz auf dem schon viele Teams standen war eine weitläufige Fläche mit Betonplatten asphaltiert und mit Flutlicht ausgeleuchtet. Der Platz war abgesperrt, umzäunt und bewacht. Ein Polizeiauto raste mit lauter, pumpender Musik, Blaulicht und hochdrehendem Motor sportlich über den Platz. Anscheinend hatten sich die zwei Beamten von der Rallye Stimmung anstecken lassen. Überall bei den Autos bauten Menschen aus Planen und Pavillons Zeltburgen. Ähnlich wie bei einem Festival. Die Stimmung war gut, es lief Musik. Unsere Müdigkeit wich einer euphorischen Freude und wir machten es uns ebenfalls gemütlich. Paul raffte sich auf noch eine Suppe zu zaubern die wir gemeinsam aus dem Topf löffelten. Für allgemeine Erheiterung sorgte Julian, der eine Überdosis Koffein in verbalen und motorischen Tätigkeiten abbaute. Nach einem verdienten Bier legten wir uns alle um halb vier schlafen. Mit der Gewissheit, am nächsten Morgen von keinem Wecker geweckt zu werden.

Rallyefahrer werden Touris

Istanbul – Werkstatt und Sightseeing – 3 km (BN AO 1701)

Es ist der Morgen danach. Nach einem Abend, der die Nerven aller im Team strapaziert hat. Und dennoch sind wir gestern Abend schließlich mit einem Lachen in unsere Auto-Betten gestiegen!

Aber dass die Momente der Nervenstrapazierung und der Herausforderung immer wieder kommen werden, wird mir spätestens klar als ich mich gegen zehn Uhr morgens aus dem Auto schäle. Die anderen sind unruhig geworden, versuchen eine Plane über unsere Biergarnitur zu spannen. Der Grund für die Unruhe wird nur wenigen Sekunden später mehr als deutlich: ein Regenschauer bricht über das Fahrerlager der Allgäu-Orient-Rallye hinein, so stark als müsste der Bosporus wieder aufgefüllt werden. Wir versuchen verzweifelt die Plane trotz des Schauers zu befestigen, aber der türkische Wind ist einfach stärker als wir. Nur fünf Minuten vorher war ich noch im Schlaf versunken. Jetzt bin ich wach. Und was tut man anstatt sich über schlechtes Wetter zu ärgern? Unser lieber Julian macht es uns vor, zieht sich kurzerhand bis auf die Unterwäsche aus und springt fröhlich im Regen herum. Was soll uns da noch stoppen?

Improvisierter Wäscheständer

Improvisierter Wäscheständer

Nachdem die Plane dann doch befestigt und ein Frühstück, bestehend aus Müsli und vom Chefkoch Paul servierten Rührei eingenommen wurde, musste sich unser Team aufgrund der am Tag zuvor entstandenen Probleme bei Wagen 01 leider trennen. Felix und Daniel, das Team Lindlar, machten sich auf Richtung Werkstatt. Der Rest von uns verwandelte sich binnen kurzer Zeit vom furchtlosen Rallyefahrer zum Vollzeit Tourist. Mit Kamera und Sonnenbrille im Gepäck machten wir uns auf in die Metropole Istanbul. Da kam richtig Urlaubsgefühl auf! Unser gehäuft auftretendes Gähnen war dabei eindeutig der letzten Nächte zu zuschreiben, anstatt dieser faszinierenden Stadt. Paul, der hier bisher für seine Kochkünste bekannt war, wurde kurzerhand zum Fremdenführer ernannt, da er sich nicht zum ersten Mal in die Stadt am Bosporus wagte. Er führte uns zunächst zur Hagia Sophia, eine zum Museum umgebaute Moschee, die jedoch über die Jahrhunderte hinweg verschiedenen Religionen als Gebetsstätte diente. Die aufwändige Gestaltung dieses Gebäudes brachte selbst Paul, der diese bereits zum dritten Mal besuchte, wieder zum Staunen.K1024_IMG_5750 Dann ging es vorbei an der Blauen Moschee, quer durch die Stadt, bis auf die Bosporus-Brücke. Möwen, Angler, Quallen im Wasser…wir aßen Maronen und waren zufrieden. Anschließend trauten wir uns in die Schluchten des türkischen Bazars, in welchem man nicht weiß ob die Fülle an Angeboten einen erschlägt oder in einen nicht mehr enden wollenden Kaufrausch versetzt. Orientalische Stimmung war vorprogrammiert! Auf dem Rückweg erwarben wir einige köstliche Kleinigkeiten und kehrten dann mit schmerzenden Füßen, aber gut gelaunt ins Fahrerlager zurück.K1024_IMG_5792 K1024_IMG_5783

Dort wartete schon das Team Lindlar auf uns, die einen nicht weniger spannenden Tag hinter sich hatten: Auto reparieren mit Händen und Füßen, entlüften der Kupplungshydraulik und leider sollte es nicht der letzte Reparaturversuch werden.

Unser Dank gilt heute besonders dem Team aus Schwaben, das uns sowohl autotechnisch als auch trinktechnisch mehr als gut versorgte…

Gleich steigt der von unseren Baumeistern Felix T. und Julian professionell angefertigte Flugdrache zum ersten Mal „über die Wolken“. Guten Flug!K1024_IMG_5824

Konvoi aus Istanbul

Istanbul (europäischer Teil) – Sancaktepe (Asien) – 41 km

Der Tag startet wie so oft bei dieser Rallye. Sehr langsam. Zähneputzen, Haare waschen unter der Campingdusche, Klamotten vom Zaun abhängen, Camp abbauen. Der Start verschob sich auch nur von 9:00 auf 11:00 Uhr. Dafür ging es dann aber mit groß angekündigter, wenn auch kaum merkbarer Polizeieskorte im Rahmen eines „portablen Staus“ (Danke Felix L. für dieses Zitat) durch Istanbul gen Asien. Und das war so: Fast alle Rallyeteams stehen auf dem ultra gemütlichen Betonplatz am Bosporus. Irgendwann geht’s los. Auto an Auto an Motorrad machen sich alle auf in den Kampf auf Istanbuls Asphaltpisten. Darf man hier jetzt eigentlich überholen, warum sind wir hier trotz Verbot abgebogen und sollen wir das mit dem schnellen und erzwungenen Spurwechsel jetzt auch machen?

K1024_IMG_5940Fragen, die sich im deutschen Straßenverkehr kaum stellen, im türkischen Millionenstadtverkehr aber zum Standardrepartoire gehören sollten. Daran hatten die einen mehr („Ich finds geil!“ Felix T.), die anderen weniger Spaß („Hölle für Autofahrer“ Robertah). Zuerst ging es an den Platz vor der blauen Moschee inklusive Ansprache durch den türkischen Europaminister. Dieser wiederum legte im Vorfeld zusammen mit unserer Robertah unter großem multimedialen Interesse vor allem an der Frau an seiner Seite den Grundstein für den hiesigen Rosengarten.

Plötzlich berühmt

Plötzlich berühmt

Im Anschluss ging es im Autokorso weiter durch Istanbul. Also mit vielen Stopps um den Laden zusammenzuhalten und das Verkehrschaos endgültig komplettierend ab auf die Bosporusbrücke, ausnahmsweise mit allen über die Autobahn. Ob das zuvor angekündigte Luftbild tatsächlich entstand entzieht sich bisher leider unserer Kenntnis. Die Bilder vom Dach unserer Autos waren allerdings schon beeindruckend genug.K1024_IMG_5960DCIM100GOPRO

Jenseits des Bosporus wurden wir von der türkischen MP in den Allgäu-Orient-Park gelotst, der dort in den vergangenen Jahren mit den jeweiligen Teams angelegt wurde. Das erste Mal seit Oberstaufen mussten wir uns mittags außerdem nicht selbst verpflegen sondern konnten dank der Gemeinde Sancaktepe schön mittaggegessen und wurden von der lokalen Bevölkerung begrüßt.K1024_IMG_5970 Den Nachmittag verbrachten wir recht ruhig, die einen schliefen in der Sonne oder im Auto, manche hielten andere Teams auf der Suche nach Ladegeräten davon ab. Der von Julian und Felix T. am Vorabend fertiggestellte Hightech-Drache konnte die an ihn gestellten Erwartungen trotz abgefahrenen Designs im direkten Vergleich leider nicht erfüllen.K1024_IMG_5981 Das Backup genauso wenig. Kaum geknickt gings dann noch gut gelaunt zu den von Paul kredenzten Spaghetti und dann ausnahmsweise mal einigermaßen früh ins Bett. Achteinhalb Stunden zeigte der Wecker. Sehr geil das. Gute Nacht.

„Bloß nicht kuppeln“

Sancaktepe – Haymana – 523 km

Wir schreiben Freitag den 6. Mai. Heute wachen wir wieder inmitten eines Fahrerlagers auf, diesmal aber in beachtlich schöner Landschaft, hoch auf einem Berg, mitten im Grünen. Unser Morgenritual kennt ihr ja schon. Irgendwie aus den Autos klettern (in zwei Wochen werden wir alle Profis darin sein), duschen unter einer Sackdusche, frühstücken, auskatern (unsere Abendstunden können sich eigentlich immer sehen lassen!), aufräumen und dann heißt es Abfahrt.

Leider wurde an diesem Tag schnell deutlich, dass die Kuppel-Probleme von Wagen 01 innerhalb der Werkstatt in Istanbul nicht behoben werden konnten und ein Tag vor uns lag, der den Satz „Bitte anschieben“ in unseren Ohren nachklingen lassen würde. Gerade, weil wir heute auch noch viel Serpentinen-Strecken zurück legen sollten. Nun lag die Herausforderung also nicht mehr nur darin im Konvoi zu fahren, sondern auch nach Möglichkeit nicht mehr anzuhalten. Oder um es aus Sicht des Wagens 01 zu formulieren, fahren ohne zu kuppeln. Und reden wir nicht um den heißen Brei herum, ja, das sorgte für angespannte Stimmung und weniger Fahrspaß. Aber an dieser Stelle können wir wirklich festhalten: Unser Team Nord-Süd-Fahrt hat bisher noch nichts so erschüttert, dass es unseren Teamgeist gefährdet hätte. Mit oder ohne Kupplung. Doch egal wie viel Teamgeist da ist, irgendwann reicht das dann eben auch nicht mehr. Also steuerten wir die nächste Werkstatt an. Reparieren und Problemerklärung mit Händen und Füßen, Klappe die Zweite. Ein Teil von uns nutzte die Zeit um erstmal schön in einem türkischen Supermarkt einkaufen zu gehen. Schwere Zeiten machen hungrig, der Einkaufswagen war schnell voll. Was auf dem Rückweg zur Werkstatt geschah ist einigen von euch möglichweise dezent im GPS aufgefallen. Leichte Verwirrung was den genauen Rückweg anbetraf. Sagen wir es so, der Rest hatte in der Zwischenzeit mehr als genug Zeit türkischen Tee in einer türkischen Werkstatt zu genießen. Als wir schließlich alle wieder zusammen kamen, war Wagen 01 wieder startklar und mit einer herzlichen Verabschiedung im Gepäck machten wir uns wieder auf den Weg in Richtung unseres Tagesziels Haymana.

Nun dürft ihr drei Mal raten was auf diesem Weg geschah. „Bitte anschieben“. Es ging tatsächlich wieder los. So langsam fand das keiner mehr witzig. Da es aber schon spät war fuhren wir noch weiter bis zum Etappenziel, das sich als der Schulhof einer ziemlich herunter gekommenen Schule entpuppte, der mittlerweile zum Fahrerlager umgestaltet worden war. Der Hunger war noch größer als die Müdigkeit, somit ging es noch schnell zu einem Imbiss, bestehend aus Spießen vom Holzkohlegrill und viel türkischer Gastfreundschaft. Und natürlich Tee. Also dann, Tee trinken und ab ins Auto, Gute Nacht! Heute träumen wir alle vom Kuppeln…K1024_P1070450

 

„Endlich wieder kuppeln“

Haymana – Ankara – Beypazari – 200 km

Der Tag fängt etwas trostlos an. Aber ich kann jetzt schon versprechen dass es ein happy end gibt.
Wir wollten uns die anstrengende Fahrt auf die Burg in Ankaras Stadtmitte ersparen und lieber Wagen 01 wieder fit kriegen. Es macht nie Spaß sich durch den stressigen Verkehr einer Großstadt zu quetschen. Schon gar nicht wenn man nicht kuppeln kann. Was außerorts auf leeren Straßen noch ganz gut funktioniert, ist in der Hektik einer Stadt quasi nicht möglich. Deshalb entschieden wir uns für einen Tag in der Autowerkstatt. Während sich der Schulhof (unser Übernachtungsplatz) langsam leerte, suchten wir mit der Hilfe des ADAC eine Mercedes-Fachwerkstatt. Als nur noch wir auf dem Platz standen, kamen Leute und räumten den Müll weg, den die anderen Teams hinterlassen hatten. Wie so häufig, wich auch der Zustand der Toiletten deutlich von dem ab, wie wir sie vorgefunden hatten. Das ist immer etwas ärgerlich und sorgt für Fremdschämen. Auch wenn die Hauptursache sicherlich in der chaotischen Planung liegt, fühlt man sich durch seine bloße Anwesenheit mitschuldig an dem Chaos. Nachdem wir eine Adresse für eine Werkstatt bekommen hatten, trennten wir uns von Team 9 und fuhren Richtung Ankara. Leider war die Werkstatt überhaupt nicht dort, wo wir am Ende rauskamen. Aber wie man das schon in der Türkei gewohnt ist, kamen sofort Leute auf uns und die bunten Autos zu, um zu helfen. Die offene Motorhaube ist natürlich ein internationales Zeichen, auch wenn wir hier nur etwas Öl nachfüllen wollten. Die hilfsbereiten Menschen riefen in der entsprechenden Werkstatt an und organisierten uns ein Geleitfahrzeug. Der Lotse war auch sehr wichtig, denn wir fuhren doch noch eine ganze Ecke durch die große Stadt. Die Werkstatt lag inmitten eines Schrauberviertels. Hier reihten sich die Werkstätten Straße für Straße aneinander. Immer wieder fuhren auffällige Autos durch die Straßen. Auffällig, weil sie entweder extrem getunt oder extrem kaputt waren. Wir erblickten jede Menge „Mercedes-Fachwerkstätten“ – zu einer von diesen wurden wir schlussendlich geführt. Die Werkstatt war sehr aufgeräumt und gut ausgestattet. Neben sehr neuen Benz-Limousinen standen auch zwei Oldtimer. Wir bekamen die volle Aufmerksamkeit der Crew. Nach einer Probefahrt des Meisters stand fest, dass die Kupplung durch sei und wir eine Neue bräuchten. Das lag natürlich nicht in unserem Interesse,  zumal die Kupllung noch nicht verschlissen war, sondern die Hydraulik den Geist aufgegeben hatte. So ein Tausch dauert auch lange und ist nicht günstig. Nachdem wir durch gezieltes Abwürgen dem Meister klargemacht haben das wir nur die Kupplungsprobleme gelöst haben wollten, gab es einen Kostenvoranschlag. Die Kupplungsnehmer & -geberzylinder, die Arbeitszeit und ein Ölwechsel (gegen die klappernde Steuerkette) mit feinstem Castrol-Motoröl sollten zusammen 200€ kosten. Das war für uns in Ordnung. Während jemand losgeschickt wurde um die Ersatzteile zu besorgen gab es erstmal Tee. Wir bekamen Zugang zum WLAN und kochten Kaffee. Während Robertah und Felix T. den Blog mit neuen Inhalten fütterten, sonnten wir uns oder nutzten den uplink, um Nachrichten zu lesen und mit der Familie zu kommunizieren. K1024_IMG_20160507_160635 Die Schrauber bekamen die Gelegenheit sich auf unseren Autos zu verewigen und hatten merklich Freude daran. Die gesamte Stimmung war sehr optimistisch und entspannt.

Reparatur-Crew

Reparatur-Crew

Etwas später besorgen wir uns für einen Appel & Ei Türkische Pizza mit Ayran im lokalen Imbiss. Nach der Reparatur erfolgte die obligatorische Testfahrt. Wir bekamen einen schicken Nummernschildhalter für das reparierte Fahrzeug und verabschiedeten uns. Schnell ging es zum Tagesziel. Bei der Rückfahrt löste sich die angespannte Stimmung völlig. Voller Euphorie und Freude darüber, dass der Tag so gut verlaufen war, rasten wir in den Sonnenuntergang.

Er kuppelt wieder

Er kuppelt wieder

Am Lagerplatz erwischten  wir einen schönen sonnigen Platz im Gras. Wir bauten die Bierbank auf, duschten kalt und schnippelten einen Salat. Dazu gab es Rührei und türkisches Brot (Ekmek- Ihr werdet häufiger davon lesen). Über den Abend kam Besuch von Team 9 und brachte Wein mit. Unsere Palette Efes wurde kleiner, die Stimmung ausgelassener.P1070471

„Ein Hauch von Offroad“

Beypazari – Merzifon –  419 km

Als ich heute Morgen in meinem Schlafsack wach wurde stellte ich fest, dass es nicht der Wecker war der mich weckte, sondern die Sonne. Wir standen mit den Autos auf einer Wiese, die Sonne ballerte und der Blick aus dem Fenster erinnerte irgendwie an ein Festival. Anscheinend wurde noch ein wenig weiter gefeiert, nachdem ich mich ins Bett gelegt hatte. Das Frühstück war dem Wetter entsprechend gemütlich. Nachdem wir erfuhren wohin es heute ging, packten wir unsere sieben Sachen und düsten los. Heute galt es eine etwas längere Etappe zu bewältigen: ca. 400 km. Die Strecke war zunächst sehr spaßig zu fahren. Der Straßenbelag war weitestgehend überraschend gut, hielt aber immer wieder kleine Überraschungen für uns bereit. Die Streckenführung war hügelig und kurvig. Es gab viele Tiere zu bestaunen, auf und neben der Fahrbahn. Später ging es dann auf die Schnellstraße, die weitestgehend besser ausgebaut war als viele deutsche Autobahnen. Bei dem ganzen Geheize durch die Dörfer und dem Fahren im Konvoi, fällt es schwer sich wieder vorzustellen, wie man in der Heimat fahren wird/muss. Hier gelten die Geschwindigkeitsschilder eher als grober Orientierungswert. Viele Straßenschilder werden zum Witz. Wenn etwa die harte Buckelpiste plötzlich ein Warnschild bekommt: Achtung Bodenwellen. Auch ist das Überholen, gerade in den Städten eher ein kontinuierlicher Vorgang, der aus dem Seitenstreifen auch mal eine vierte Fahrbahn macht. Geblinkt wird eigentlich nur außerorts.
Nach einem Stück Schnellstraße aßen wir an einem Rastplatz zu Mittag.
Der Weg zum Ziel führte uns über eine Bergkette mit 2k Höhenmetern. Die Straße war sehr kurvig und landschaftlich sehr schön anzugucken. Der Fahrspaß war außerordentlich groß.K1024_IMG_6106K1024_IMG_6281
Kurz vor dem Tagesziel gab es eine kleine „Offroadstrecke“, auf der wir anhand von Bildern im Roadbook navigieren mussten. Die Strecke war im Wesentlichen eine unbefestigte Schotterpiste inklusive Serpentinen und Schlaglöchern. Leider war nicht angegeben wo die Strecke anfing bzw. dass sie unvermittelt im Nichts endete. Eine klassische Aktion des VK (Verwirrungskomitee – der mittlerweile gängige Name für das OK).

An unserem  Etappenziel Merzifon angekommen wurden wir von der Polizei aufgegabelt und zum Stellplatz eskortiert. Dieser war leider sehr voll, weshalb wir ein paar Meter weiter den Berg hinauf rollten und uns im Grünen auf fast 2000 m einen geraden Stellplatz suchten. Da es schon dunkel und auch sehr kalt war, fiel das Essen am Lagerfeuer eher kurz aus und wir verkrümelten uns schnell in unsere Schlafsäcke.K1024_IMG_6382

„Ein neuer frischer Tag“

Merzifon – Giresun, 349 km

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Heute werden wir nicht vom Wecker, sondern von den aus der Ferne klingelnden Kuhglocken geweckt. Die Morgensonne lacht nach viel zu kalter Nacht hoch oben auf dem Berg (ca. 1900 m und 5°C – gefühlte -5°C) durchs Autofenster und wärmt den frohgemut gähnenden Reisenden. Beim anschließenden Morgenkaffee (leider gab es einen Fehlkauf am Vortag, so dass kein Espresso gekocht werden kann und der BRB-Gourmetkaffee aushelfen muss) bekommen wir Besuch von einem Hund mitsamt einer kleinen Gruppe Kühe, die zur naheliegenden Quelle wollen. Nach kurzer Gewöhnung legt sich der Hund in die Sonne, die Kühe gehen an die Quelle und wir trinken Kaffee.

Das nun folgende Morgenritual mit kleineren Reparaturen und Durchsicht der Autos, Zähneputzen und Packen geht routiniert vonstatten und gegen zehn Uhr machen wir uns auf den Weg ans Schwarze Meer. In Samsun angekommen werden Baumarkt und Supermarkt gestürmt, um Lebensmittel und Gaskartuschen zu kaufen. Julian entdeckt zu seiner großen Freude weitere Meter Fliegengitter (die bestimmt bis zum Ende der Reise installiert sind), Gaskartuschen findet er aber erst bei einer weiteren Shoppingtour zusammen mit Robertah in der Metro auf der anderen Straßenseite.

Danach geht es am Meer weiter  vorbei an den Folgen des türkischen Fahrstils über eine ansonsten recht unspektakuläre Schnellstraße. Mittagessen gibt’s in einem Fischerdorf direkt am Hafen. In Giresun werden wir dann wie so oft von der türkischen Polis zum Lagerplatz direkt an der Uferpromenade gelotst.  Der eigentlich vorgesehene Platz ist natürlich voll, wir werden auf dem Gehweg direkt am Wasser platziert. Doch das geilste soll noch kommen: Die erste warme Dusche nach sechs Tagen. Ein Hoch auf die neu gebauten Sportanlagen am Wasser.  Vorher testet ein Trupp aus Team 9 und 17 aber noch die Wasserqualität und -temperatur des Schwarzen Meeres. Ergebnis: Kalt, aber gut. Zum Abendessen gibt’s Salat, die meisten verschwinden danach im Bett.  Andere sitzen noch bis spät in die Nacht auf der Mauer am Wasser, notieren Gedanken und Eindrücke oder schreiben nach Hause. Bei diesem Ambiente will man eigentlich garnicht schlafen gehen. Irgendwann siegt trotzdem die Müdigkeit.K1024_IMG_20160509_192049K1024_IMG_6514

 

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